Erfolgshotelier Kevin J. Abramowicz: Wenn Tradition Flügel verleiht
TAUROA vereint „beflügelnde Orte“: exklusive Hotels, historische Schlösser, traditionelle Gasthäuser und Gourmet-Restaurants in der Region Salzburg, im Salzkammergut und im Murtal. Als Group Head of Hospitality der Mateschitz Group sowie Geschäftsführer von TAUROA beweist Kevin J. Abramowicz, wie man das gehobene Hotel-Segment in Zeiten wie diesen nachhaltig auf Kurs hält.

TAUROA vereint „beflügelnde Orte“: exklusive Hotels, historische Schlösser, traditionelle Gasthäuser und Gourmet-Restaurants in der Region Salzburg, im Salzkammergut und im Murtal. Als Group Head of Hospitality der Mateschitz Group sowie Geschäftsführer von TAUROA beweist Kevin J. Abramowicz, wie man das gehobene Hotel-Segment in Zeiten wie diesen nachhaltig auf Kurs hält.

Der Hospitality-Branche wird bekanntlich eine Krise nachgesagt: Wie reüssiert man da im hochpreisigeren Segment?
Ob man reüssiert, weiß man erst langfristig. Ich wünsche mir immer ein bisschen mehr. Bei uns ist es entscheidend, dass wir uns nicht neu erfinden, sondern nachhaltig für das stehen, was und wer wir sind: Wofür steht das einzelne Haus, was ist das Image des jeweiligen Standortes? Das machen wir heute viel besser als in der Vergangenheit. Die Klarheit ist jetzt auch für die Mitarbeiter gegeben. Das Schwierigste ist, wenn das Team nicht weiß, wofür wir stehen.
Wie vebindet man in euren Häusern die Tradition mit dem Modernen?
Indem man die Tradition des Hauses oder des Ortes hoch schätzt. Wir geben dem Ganzen mehr Wert. Das beginnt bei der Architektur, geht über die Geschichte des Hauses bis zum Ort selbst. Wir haben sehr individuelle Standorte. Jedes Haus spricht für sich, wir haben deutliche Unterschiede. Und es ist die Wertschätzung vieler kleiner Nuancen – wie dem kleinen Schnapskästchen nach dem Abendessen, aus dem man den Gästen traditionell ein Stamperl anbietet. Das Moderne zeigt sich dort, wo wir den Aufenthalt für unsere Gäste einfacher und intuitiver gestalten können. Das beginnt beim Buchungsprozess und zieht sich durch die gesamte Guest Journey. Tradition und Moderne sind dabei kein Widerspruch. Das eine schafft Identität, das andere sorgt für zeitgemäßen Komfort.

Was sind heute die großen Herausforderungen der Branche?
Das Buchungsverhalten ist anders als früher. Gerade heuer haben wir gesehen, dass Buchungen in letzter Minute getätigt werden. Aufgrund der Krisen warten viele Menschen ab und entscheiden kurzfristig. Und so steht man vor der Herausforderung, einen Businessplan für das nächste Jahr festzulegen – und dann zu hoffen, dass sich alles auch so entwickelt. Eine weitere Herausforderung ist natürlich der Fachkräftemangel.
TAUROA wurde 2026 allerdings wieder mit dem Rolling Pin.Award als Top Arbeitgeber ausgezeichnet. Was macht ihr hier konkret?
Es ist wirklich eine sehr schöne Anerkennung, wenn man als Top Arbeitgeber gesehen wird. Um dem gerecht zu werden, muss man heute nicht nur gute Konditionen offerieren, sondern vor allem ein gutes Umfeld schaffen. Das Entscheidende ist, sich die Zeit zu nehmen, nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Mentor zu sein. Noch schwieriger ist es, Führungskräfte zu finden, die das verstehen und sich wirklich Zeit für die Mitarbeiter nehmen. Schließlich ist Zeit das Aufwendigste am Tag. Wir fordern aber von unseren Führungskräften, sich wirklich mit den Mitarbeitern auseinanderzusetzen und nicht nur Dinge von ihnen zu erwarten. Die Ruhe und die Geduld dafür liegen nicht allen, das muss man auch lernen. Ich glaube, ich hätte das früher vielleicht auch noch nicht so erkannt wie heute.
„Der Gast erkennt, ob Werte aufgesetzt sind.“
Wird Tradition und Regionalität von jungen Mitarbeitern eigentlich verstanden?
Regionalität war schon immer wichtig, das ist einer unserer wichtigsten Werte. Einerseits wurde sie stets vom Besitzer gefördert, andererseits von den Standorten selbst. Und da wir nicht nur für die Kulinarik – und viele andere Bereiche – regional einkaufen, sondern auch unsere Mitarbeiter verstärkt aus der Umgebung rekrutieren, ist das Verständnis dafür groß. Nachhaltigkeit und Regionalität sind nur dann glaubwürdig, wenn sie Teil der Unternehmenskultur sind und im täglichen Handeln sichtbar werden. Als reine Marketingbotschaft funktionieren sie langfristig nicht. Wir leben danach – und haben mit der ISO-Zertifizierung auch die offizielle Zertifizierung dafür. Entscheidend sind eine klare Haltung, spürbare Qualität und gelebte Gastfreundschaft. Gäste erkennen sehr schnell, ob Werte authentisch gelebt werden oder lediglich kommuniziert oder momentan „aufgesetzt herzlich“ sind.
Wohin geht eure „traditionelle“ Reise?
Das Ziel ist, dass sich die Firma in einem gesunden Maß so entwickelt, dass wir expandieren können – aber eben in einem gesunden Maß. Es liegt mir viel mehr an Qualität als an Quantität. Ich nehme es sehr persönlich, wenn unzufriedene Gäste die Häuser verlassen, weil wir dem nicht gerecht werden, was wir versprechen. Daher ist mir Stabilität sehr wichtig. Wenn man sie erreicht, kann man auch den nächsten Schritt gehen.

Apropos persönlich: Wann siehst du dich selbst als erfolgreich?
Wenn das Team erfolgreich ist. Für mich ist entscheidend, dass ich nichts alleine machen kann. Mir ist jeden Tag bewusst, dass der Erfolg nur kommt, wenn alle wirklich wissen, was sie tun. Wenn sie das mit Freude machen und wenn das schlussendlich zu Resultaten führt. Und nachhaltiger Erfolg entsteht meiner Meinung nach dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, mit Begeisterung zusammenarbeiten und gemeinsam Ergebnisse erzielen.
Bist du also „angekommen“?
Entscheidend ist weniger das Gefühl des Ankommens als die Möglichkeit, in einem Umfeld zu arbeiten, das von Vertrauen, Eigenverantwortung und langfristigem Denken geprägt ist. Genau diese Voraussetzungen sind wesentlich, um nachhaltige Entwicklungen voranzutreiben.
Und auch Fehler zuzulassen?
Innovation und Weiterentwicklung setzen voraus, dass Ideen ausprobiert werden können. Diese Möglichkeiten haben wir im Unternehmen. Dazu gehört auch, aus Erfahrungen zu lernen. Langfristige Entscheidungen entstehen dort, wo nicht ausschließlich kurzfristige Kennzahlen im Vordergrund stehen, sondern eine klare Vision für die Zukunft. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen.



