Der erste Griff des Abends
Der erste Griff des Abends geht zum Wasser! Jeder, der Gäste empfängt, kennt das. Man hat sich Gedanken über den Wein gemacht, über das Essen, über die Musik. Und dann sitzen alle da und trinken erst einmal ein Glas Wasser. Manchmal zwei. Es ist der meistgetrunkene Schluck des Abends – und fast immer der einzige, über den niemand nachgedacht hat. An dieser Stelle stand schon einmal, dass kaum jemand ein zweites Glas Wein aus Durst bestellt. Wein ist eine Entscheidung für den Abend. Wasser dagegen ist das einzige Getränk am Tisch, das noch einen echten Grund hat. Und ausgerechnet dieses servieren wir am beiläufigsten.

Der erste Griff des Abends geht zum Wasser! Jeder, der Gäste empfängt, kennt das. Man hat sich Gedanken über den Wein gemacht, über das Essen, über die Musik. Und dann sitzen alle da und trinken erst einmal ein Glas Wasser. Manchmal zwei. Es ist der meistgetrunkene Schluck des Abends – und fast immer der einzige, über den niemand nachgedacht hat. An dieser Stelle stand schon einmal, dass kaum jemand ein zweites Glas Wein aus Durst bestellt. Wein ist eine Entscheidung für den Abend. Wasser dagegen ist das einzige Getränk am Tisch, das noch einen echten Grund hat. Und ausgerechnet dieses servieren wir am beiläufigsten.

Dabei ist Wasser das ehrlichste Getränk, das es gibt. Nicht, dass man es nicht versucht hätte. Heilwasser. Gletscherwasser. Quellen mit Jahrhunderten Geschichte. Flaschen für 15 Euro, die aussehen wie Parfum. Wasser, mit allen Wassern gewaschen. Nur bleibt davon nichts übrig, sobald eingeschenkt ist. Im Glas ist es wieder das, was es immer war: klar, geruchlos, ohne Etikett, ohne Jahrgang. Und genau da wird es interessant. Denn alles, was daraus ein Vergnügen wird, muss das Glas leisten, Erfrischung beginnt nämlich nicht im Mund, sondern am Rand. Eine dünne Wand gibt die Kälte unmittelbar weiter, eine dicke hält sie zurück. Der Beschlag außen, ein Mundrand, den man nicht bemerkt, ein Gewicht, das auch beim 20. Mal noch leicht ist – das ist die ganze Sensorik eines Wasserglases. Und sie kommt restlos vom Gefäß.

Ich glaube, dass wir das übersehen, hat weniger mit Wasser zu tun als mit einer alten Vorstellung: dass schöne Gläser für besondere Anlässe da sind und der Alltag mit dem auskommt, was noch im Schrank steht. Ein gutes Glas ist aber kein Preis, den man sich verdienen muss. Es ist eine Entscheidung darüber, wie man einen Dienstagabend verbringt. Dafür braucht es nicht zwingend einen Stiel. Ein schöner Becher ist hier das ehrlichere Gefäß. Dünnwandig, leicht, gemacht zum Anfassen statt zum Ansehen. Und er hört beim Wasser nicht auf: Saft am Morgen, ein Spritz um sechs, ein alkoholfreier Aperitif. Gerade die No- und Low-Varianten leben von Kälte, Säure und Textur – ihnen fehlt der Alkohol, der sonst Fülle und Wärme mitliefert. Umso mehr bleibt am Glas hängen. Und dann passiert das Kleine, das man kaum bemerkt: Man trinkt mehr. Nicht mehr, weil man muss. Sondern weil man mag. Am Ende ist das die ganze Geschichte. Trinkvergnügen ist kein Sonderfall. Es ist das, was jeden Tag stattfindet – und Wasser ist die Gelegenheit dazu, die wir am häufigsten haben.