So geht einfach Meer Geschmack!
Wer schon einmal mit Druckluftflasche und Lungenautomat unter die Wasseroberfläche abgetaucht ist, weiß: Hier findet sich eine ganz besondere, faszinierende Welt. Doch auch erfahrene Taucher würden an der ligurischen Küste vor Noli auf etwas treffen, das sie so wohl noch nie gesehen haben: In bis zu zwölf Metern Tiefe ragen hier neun transparente Acrylkuppeln von zwei Metern Durchmesser aus dem Sandboden – mit ganz besonderem Innenleben. Denn in diesen luftgefüllten Biosphären wachsen Kräuter, Beeren und Gemüse. Willkommen in Nemo’s Garden, dem weltweit ersten Unterwasser-Gewächshaus-System!

Wer schon einmal mit Druckluftflasche und Lungenautomat unter die Wasseroberfläche abgetaucht ist, weiß: Hier findet sich eine ganz besondere, faszinierende Welt. Doch auch erfahrene Taucher würden an der ligurischen Küste vor Noli auf etwas treffen, das sie so wohl noch nie gesehen haben: In bis zu zwölf Metern Tiefe ragen hier neun transparente Acrylkuppeln von zwei Metern Durchmesser aus dem Sandboden – mit ganz besonderem Innenleben. Denn in diesen luftgefüllten Biosphären wachsen Kräuter, Beeren und Gemüse. Willkommen in Nemo’s Garden, dem weltweit ersten Unterwasser-Gewächshaus-System!

Was 2012 eigentlich als Gag begann, hat sich zu einem der beeindruckendsten Agrotech-Projekte der Gegenwart entwickelt. „Mein Vater hat eine große Leidenschaft für Gartenarbeit“, erinnert sich Luca Gamberini, Mitgründer und Vizepräsident von Nemo‘s Garden. Sergio Gamberini, Gründer der auf Tauchequipment spezialisierten Ocean Reef Group, wurde vor knapp 15 Jahren von einem befreundeten Landwirt herausgefordert, seine Expertise im Tauchsport mit der Landwirtschaft zu verbinden. „Aus Spaß sagte mein Vater: ‚Ich nehme einfach mal eine Pflanze mit unter Wasser‘.“ Aus dem Scherz wurde mehr. Viel mehr. Denn Nemo’s Garden bietet nicht nur exklusive Produkte für die gehobene Gastronomie, die Unterwasser-Biosphären können Lösungen für mit dem Klimawandel verbundene Extremwetter-Ereignisse wie Überflutungen und Dürreperioden bieten. „Ackerland ist ein extrem knappes Gut“, so Luca Gamberini. „Wir sind mehr als neun Milliarden Menschen, die auf einer unglaublich kleinen Ressource balancieren. Das Ackerland macht vielleicht 14 Prozent der Erdoberfläche aus.“

DIE AGRONAUTEN
Die Bewirtschaftung der Acryl-Kuppeln in bis zu zwölf Metern Tiefe übernehmen keine Bauern, sondern die sogenannten Agronauten. Diese hochspezialisierten Experten agieren als hybride Mischung aus Berufstauchern, Meeresbiologen und Landwirten. Sie tauchen zu den Biosphären, um die hydroponischen Beete zu pflegen, Sensoren auszuwerten und die reife Ernte – von Salaten bis hin zu Minze und Melisse – per wasserdichter Box an die Oberfläche zu befördern.
Was ist ein Autark-Room?
Die Biosphären hingegen funktionieren wie autarke Mini-Ökosysteme. „Ein entscheidender Vorteil unter Wasser ist die stabile Temperatur“, erklärt Gamberini. „Wir haben hier nur minimale Schwankungen. Man muss daher keinerlei Energie aufwenden, um die Gewächshäuser zu heizen oder zu kühlen.“ Zudem produzieren die Kuppeln ihr eigenes Süßwasser: Erwärmt sich die Biosphäre, verdunstet das Meerwasser im Inneren, kondensiert an den kühleren Innenwänden und läuft quasi als destilliertes Wasser ab, da es weder Mineralien noch Salz enthält und sich perfekt für das Hydrokultursystem eignet. „Tatsächlich erfordert die Gewinnung null Energie“, betont Gamberini zudem. Auch kann in Nemo’s Garden auf Pestizide verzichtet werden. „Es gibt hier nichts, was unsere Pflanzen befallen könnte.“


Eine wahre Aroma-Explosion
Die Exklusivität der Kuppel-Pflanzen sorgt auch für exklusive Preise. Warum aber sollte man sich als Gastronom für die Unterwasserprodukte entscheiden? Die Antwort: wegen des Geschmacks. „Es gibt einen messbaren Effekt, wie die Pflanzen auf die Umgebung, in der sie wachsen, reagieren und wie die Inhaltsstoffe, die das Wesen der Pflanze ausmachen, beeinflusst werden.“ Dies hat beispielsweise zur Folge, dass sie höhere Konzentrationen an ätherischen Ölen und Antioxidantien produzieren. „Es gibt keine genetische Veränderung, aber die Reaktion der Pflanze ist eine andere“, erklärt Luca Gamberini. Der Geschmack sei um ein Vielfaches intensiver. „Wenn man unser Basilikum verwendet, muss man daher sehr vorsichtig sein. Das Pesto erfordert eine völlig andere Dosierung.“ Für den Küchenchef bedeutet das: Ein einziges Blättchen liefert eine überraschend aromatische Dichte. Nemo’s Garden beschränkt sich jedoch nicht auf den Verkauf von Angepflanztem wie Basilico Genovese, Minze, Erdbeeren, Tomaten oder Salaten. Die Produkte werden auch zu Premium-Gin, ätherischen Ölen, Pesto oder Pralinen verarbeitet und vertrieben. Und: Das Konzept ist nicht auf die Noli-Küste beschränkt; man exportiert die Biosphären auch auf Wunsch in andere Regionen überall auf der Welt. Da der Trend zur radikalen Regionalität gerade in der Luxushotellerie oft an Grenzen stößt und Resorts sogar Kräuter per Luftfracht einfliegen lassen müssen, liefert Nemo’s Garden hier eine Lösung.

Eine nasse Zukunftshoffnung
An eine Massenproduktion ist aktuell allerdings nicht zu denken, da man aufgrund von Agrarsubventionen für Supermarktware einen schweren Stand hat, wie Luca Gamberini erklärt. Für High-End-Hospitality rechne sich das Konzept allerdings aufgrund des Exklusivfaktors. „Wir haben den Vorteil, unseren Kunden etwas anzubieten, das durch einzigartige Gästeerlebnisse profitabel ist.“ Ein Dinner mit Kräutern aus dem Ozean oder geführte Tauchgänge zum Unterwassergarten setzen Maßstäbe im Entertainment. Mit Herausforderungen ist man jedenfalls auch auf anderen Ebenen konfrontiert. Denn selbst Nemo’s Garden ist vor den Auswirkungen des Klimawandels nicht gefeit. „Wir hatten zuletzt 28 Grad im Meerwasser in acht Metern Tiefe“, so Gamberini über den Rekordsommer. Auch Stürme setzen den Biosphären zu. Die eigentliche Hürde ist laut Gamberini aber nicht das Klima, sondern die Politik. „Die Bürokratie ist die größte Herausforderung. Selbst wenn wir Studien vorlegen, die belegen, dass wir die Biodiversität erhöhen“, so der Juniorchef. Trotzdem hält man am Expansionskurs fest. Wo das Projekt in fünf Jahren stehen wird? „Dann wird Nemo‘s Garden in vielen Resorts weltweit zu finden sein.“ Damit ist klar: Die Zukunft schmeckt nach Meer.