Kartenzahlung soll Pflicht werden – warum die Gastro davon profitieren kann
Nur Bargeld? Das könnte in Deutschlands Gastronomie bald schwieriger werden. Die Bundesregierung plant, Betriebe mit direktem Kundenkontakt ab 2027 dazu zu verpflichten, neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anzubieten. Bargeld soll bleiben – Gäste sollen künftig schlicht wählen können, wie sie ihre Rechnung begleichen.
Nur Bargeld? Das könnte in Deutschlands Gastronomie bald schwieriger werden. Die Bundesregierung plant, Betriebe mit direktem Kundenkontakt ab 2027 dazu zu verpflichten, neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anzubieten. Bargeld soll bleiben – Gäste sollen künftig schlicht wählen können, wie sie ihre Rechnung begleichen.
Cash only wird zum Imageproblem
Dass ein Restaurant ausschließlich Bargeld akzeptiert, wirkt zunehmend befremdlich. Kartenzahlung gehört für viele Gäste längst zum Alltag – vom Supermarkt bis zum Hotel. Wer im Restaurant plötzlich zum Bankomaten geschickt wird, erlebt vor allem eines: unnötige Reibung am Ende eines Besuchs.
Cash only kann inzwischen sogar darüber entscheiden, ob ein Gast überhaupt kommt. Wer weiß, dass er vor dem Restaurantbesuch erst Bargeld organisieren muss, entscheidet sich womöglich gleich für eine Alternative.
Dazu kommt ein unangenehmer Nebeneffekt. Cash only kann beim Gast schnell den Eindruck erwecken, Umsätze könnten am Fiskus vorbeilaufen. Das bedeutet keineswegs, dass ein Betrieb tatsächlich Steuern hinterzieht. Der Verdacht entsteht trotzdem – und damit ein Imageproblem, das sich leicht vermeiden lässt.
Genau hier geht es auch um fairen Wettbewerb. Wer sämtliche Umsätze korrekt versteuert, sollte keinen Nachteil gegenüber Betrieben haben, die Einnahmen möglicherweise nicht vollständig deklarieren. Dass der Staat dabei auch ein finanzielles Interesse an korrekt erfassten Umsätzen hat, ist legitim. Für die Branche entscheidender ist die Chancengleichheit zwischen den Betrieben. Digitale Zahlungen verhindern Schwarzumsätze nicht automatisch, sie schaffen zumindest mehr Nachvollziehbarkeit.
Das Kostenargument verliert an Gewicht
Lange galten Gebühren und teure Terminals als Argument gegen Kartenzahlung. Inzwischen sind die Einstiegshürden deutlich niedriger. Mobile Lösungen und Zahlungen direkt über das Smartphone machen digitale Bezahlmöglichkeiten auch für kleinere Betriebe wesentlich einfacher.
Damit verschiebt sich die Frage: nicht mehr „Warum soll ich Kartenzahlung anbieten?“, sondern eher „Warum eigentlich nicht?“
Für Österreich ist eine vergleichbare Pflicht derzeit nicht angekündigt. Die Diskussion aus Deutschland ist trotzdem relevant. Denn unabhängig von gesetzlichen Vorgaben entscheidet der Bezahlprozess mit darüber, wie ein Gast seinen Besuch in Erinnerung behält.
Trinkgeld darf nicht zur Drucksituation werden
Genau dort lauert bereits das nächste Problem. Digitale Terminals, die automatisch 15, 20 oder 25 Prozent Trinkgeld vorschlagen, machen Bezahlen nicht zwangsläufig angenehmer. Vor allem bei kleinen Käufen kann daraus schnell das Gefühl einer zusätzlichen Kassierung entstehen.
Das amerikanische Trinkgeldmodell lässt sich ohnehin kaum eins zu eins auf Deutschland oder Österreich übertragen. In den USA kompensiert Trinkgeld vielerorts deutlich niedrigere Grundgehälter. In Europa gelten andere Rahmenbedingungen.
Die bessere Richtung könnte deshalb sein, Service stärker in die Preise einzukalkulieren und Trinkgeld wieder zu dem zu machen, was es sein sollte: freiwillige Anerkennung für guten Service.
Denn egal ob bar, mit Karte oder Smartphone – am Ende sollte Bezahlen vor allem eines sein: ein unkomplizierter Abschluss eines guten Restaurantbesuchs.

