Film ab, Menü raus: Hier landet Kino am Teller

Bei Movie2Menu werden Ratatouille, Harry Potter oder Sex and the City nicht nur gezeigt, sondern serviert. Elias Heintz erklärt, wie aus Filmszenen ganze Menüs werden – und warum nicht alle Filme “verkochbar” sind.
August 19, 2026 | Text: Interview: Niko Zoltan | Fotos: Dario Krakowski , Nadine Schönfeld Photography

Elias Heintz arbeitet seit seiner Jugend in der Gastronomie, wurde mit 18 erstmals Barchef und 2023 bei den Rolling Pin.Awards als Rising Bar Talent of the Year ausgezeichnet. Heute gehört er zum Kreativteam von Movie2Menu. Das Konzept verbindet Filmvorführungen mit eigens entwickelten Speisen und Drinks – und ist aus einer Idee im Umfeld des veganen Berliner Sterne-Restaurants Bonvivant inzwischen zu einem eigenen Geschäftszweig geworden.

ROLLING PIN: Wie ist die Idee zu Movie2Menu entstanden?

Elias Heintz: Wir lieben das Bonvivant, es ist so ein bisschen unser Mutterschiff. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren gemerkt, dass sich der Markt verändert. Gerade in einer Stadt wie Berlin hat nicht jeder Lust, mehrere Stunden in einem Restaurant zu sitzen und zu jedem Produkt eine ausführliche Geschichte erzählt zu bekommen. Es gibt ein Bedürfnis, Kulinarik anders zu erleben.

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Elias Heintz

 

Elias Heintz arbeitet seit seiner Jugend in der Gastronomie, wurde mit 18 erstmals Barchef und 2023 bei den Rolling Pin.Awards als Rising Bar Talent of the Year ausgezeichnet. Heute gehört er zum Kreativteam von Movie2Menu. Das Konzept verbindet Filmvorführungen mit eigens entwickelten Speisen und Drinks – und ist aus einer Idee im Umfeld des veganen Berliner Sterne-Restaurants Bonvivant inzwischen zu einem eigenen Geschäftszweig geworden.

ROLLING PIN: Wie ist die Idee zu Movie2Menu entstanden?

Elias Heintz: Wir lieben das Bonvivant, es ist so ein bisschen unser Mutterschiff. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren gemerkt, dass sich der Markt verändert. Gerade in einer Stadt wie Berlin hat nicht jeder Lust, mehrere Stunden in einem Restaurant zu sitzen und zu jedem Produkt eine ausführliche Geschichte erzählt zu bekommen. Es gibt ein Bedürfnis, Kulinarik anders zu erleben.

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Elias Heintz

Paul Rost, unser ehemaliger Restaurantleiter und World-Class-Finalist, unser Geschäftsführer Jules Winnfield und ich haben uns irgendwann gefragt: Was begeistert uns neben Kulinarik noch? Die Antwort war ziemlich schnell Kino.

Aus zwei Vorstellungen wurden drei, dann vier und mittlerweile sind wir bei fünf pro Woche.

Paul hat sich daraufhin ähnliche Konzepte in den Niederlanden, Belgien, London und Hamburg angesehen. Wir wollten herausfinden, was bereits gemacht wird und wo wir einen eigenen Weg gehen können.

Ursprünglich war Movie2Menu also gar nicht als eigenes Unternehmen geplant?

Nein. Die Idee war zuerst, an ein oder zwei Schließtagen im Monat solche Abende im Bonvivant zu veranstalten. Der erste Film war ganz klassisch Ratatouille. Die ersten Wochen liefen okay – und plötzlich ging es durch die Decke.

Die Abende waren ausverkauft. Aus zwei Vorstellungen wurden drei, dann vier und mittlerweile sind wir bei fünf pro Woche. Das lässt sich im Bonvivant gar nicht mehr abbilden. Aktuell nutzen wir eine Eventlocation als Zwischenlösung und suchen eine eigene Location für Movie2Menu.

Wir hatten inzwischen unter anderem Ratatouille, Pulp Fiction, Harry Potter, Chihiros Reise ins Zauberland und Alice im Wunderland. Als nächste Projekte stehen zum Beispiel Sex and the City und Kevin – Allein zu Haus an.

Hinter so einem Abend steckt ein ziemlich langer bürokratischer und organisatorischer Rattenschwanz.

 

 
 
 
 
 
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Was ist deine Rolle bei Movie2Menu?

Geschäftsführend sind Jules Winnfield und Paul Rost. Ich bin Teil des Kreativteams und kümmere mich vor allem um die Getränke. Wenn es zu einer Szene passt, entwickeln wir einen passenden Drink. Gleichzeitig arbeite ich bei der Auswahl der Filme und der Menüplanung mit.

Dazu kommt viel Organisation rund um Filmverleiher und Lizenzgeber. Hinter so einem Abend steckt ein ziemlich langer bürokratischer und organisatorischer Rattenschwanz.

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Filme und Drinks gehören ohnehin eng zusammen. Gibt es einen Cocktail, den du selbst durch einen Film entdeckt hast?

Der White Russian. Er ist nicht mein Lieblingscocktail, meine erste bewusste Berührung damit kam allerdings durch The Big Lebowski. Dadurch hatte ich überhaupt erst Lust, ihn zu probieren. Inzwischen mache ich hervorragende White Russians in verschiedenen Variationen.

Seit wir Movie2Menu machen, schaue ich Filme generell anders. Man merkt plötzlich, wie unglaublich viel darin gegessen und getrunken wird. Die großen Franchises bringen inzwischen eigene Koch- und Cocktailbücher heraus. Diese Verbindung ist längst da.

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Kann man aus jedem Film ein Menü machen?

Manche eignen sich deutlich besser als andere. Wir wollen zum Beispiel unbedingt Titanic machen – idealerweise auf einem Boot während einer Rundfahrt. In der Konzeption sind wir bisher noch nicht zufrieden.

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Es gibt im Film gar nicht so viele Essensszenen. Die meisten kommen relativ geballt, später wird nachvollziehbarerweise nicht mehr viel gegessen. Dafür wird jede Menge Tee getrunken.

Wir haben allerdings entdeckt, dass noch ein historisches Menü der Titanic existiert. Eine Idee wäre deshalb, den Film zu zeigen und unsere Interpretation dieses Menüs zu servieren. Das Thema ist noch nicht vom Tisch.

Was ist die größte Herausforderung dabei, einen Film in ein Dinner zu übersetzen?

Ein klassisches Menü hat eine Dramaturgie. Man beginnt leichter, steigert Intensität und Portionsgröße und landet irgendwann beim süßen Teil. Auch die Abstände zwischen den Gängen sind relativ gleichmäßig.

Ein Film hält sich an keine dieser Regeln. Da kann zuerst ein Geburtstagskuchen auftauchen, nach einem Zeitsprung gibt es Omelette und Kaffee, anschließend einen Negroni und irgendwann ein Dinner.

Wir haben testweise einmal wirklich exakt nach Filmchronologie serviert. Kulinarisch war das schwierig: zuerst Torte, dann eine leichte Vorspeise, mehrere Drinks, lange gar nichts und später wieder Essen.

Seitdem bauen wir eine eigene Struktur. Das bedeutet auch, dass wir manchmal eine Essensszene auslassen oder eine andere Filmszene kulinarisch übersetzen.

Zum Beispiel?

Bei Harry Potter servieren wir gegen Ende den “Goldenen Schnatz” als Praline. In der ersten Hälfte des Films gibt es relativ viel Essen, später wird vor allem gekämpft. Würden wir uns ausschließlich an Essensszenen halten, wäre das Menü viel zu früh vorbei.

Auch ein Geburtstagskuchen kann bei uns deshalb plötzlich herzhaft werden. Entscheidend ist, die Bildsprache des Films zu übersetzen und trotzdem ein Menü zu schaffen, das als kulinarisches Erlebnis funktioniert.

Wie schafft ihr es bei 30 bis 40 Gästen, die Gerichte exakt zur richtigen Szene zu servieren?

Das ist ziemlich unromantische Logistik. In der Produktion läuft eine Uhr synchron zum Film. Wir sehen genau, wie viele Minuten und Sekunden noch bis zum nächsten Serving bleiben und an welchem Punkt der Film gerade steht. Einfach ist es nicht – es funktioniert inzwischen sehr gut.

Verändert das auch die Art des Service?

Total. Am Anfang gibt es einen sehr herzlichen Empfang. Das Team ist passend zum Film gekleidet, auch die Location wird thematisch gestaltet. Bei Harry Potter soll man sich in dieser Welt wiederfinden, bei Alice im Wunderland genauso.

Vor dem Film gibt es Zeit für Interaktion und Fotos. Während der Vorstellung ändert sich die Rolle des Service komplett. In einem Restaurant versucht man normalerweise, eine Verbindung zum Gast aufzubauen und ihn durch den Abend zu begleiten. Bei Movie2Menu soll der Service während des Films möglichst unauffällig sein und die Handlung nicht stören.

Am Ende kommt diese persönliche Ebene wieder zurück.

Du studierst Kommunikations- und Theaterwissenschaften. Hilft dir das bei Movie2Menu?

Total. Themen wie Dramaturgie und Storytelling lassen sich sehr gut auf so ein Konzept übertragen.

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Wie soll Movie2Menu weitergehen?

Der nächste große Schritt ist eine eigene Location. Dort können wir das Setup noch stärker an unsere Abläufe anpassen, mehr Komfort schaffen und perspektivisch auch mehr als fünf Screenings pro Woche anbieten.

Ein weiteres Ziel sind mehr Veranstaltungen für Familien und Kinder. Ein Abend von 19 bis 23 Uhr ist für viele Kinder zu lang – selbst wenn Ratatouille läuft. Kulinarik und Film können auch für Kinder ein großartiges Erlebnis sein. Deshalb denken wir zum Beispiel über Nachmittagsvorstellungen nach.

Mein Studium ist außerdem relativ bald abgeschlossen. Danach wird der Fokus erst einmal voll auf Movie2Menu liegen.

rausgegangen.de/organizations/movie2menu

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