Der Junge Wilde 2019: Was macht Florian Wörgötter heute?

Florian Wörgötter holte 2019 den Titel Junger Wilder. Inzwischen trägt sein Familienwirtshaus einen Michelin-Stern – und der Steirer zeigt, wie Schnitzel und Sternemenü zusammenpassen.
Oktober 20, 2026 | Text: Laura Stefan

Als Florian Wörgötter 2019 die Jungen Wilden gewann, kochte er im Wiener Sternerestaurant Le Ciel. Sein Weg führte ihn anschließend zu Silvio Nickol – und früher als geplant zurück ins elterliche Gasthaus nach Ligist. Dort entwickelte er gemeinsam mit seiner Familie aus einem freitäglichen Menüabend ein ausgezeichnetes Fine-Dining-Konzept. Nach dem jüngsten Umbau geht der Betrieb nun den nächsten Schritt.

Florian Wörgötter, Junger Wilder 2019 und Küchenchef im Familienrestaurant Wörgötter in Ligist.
Foto: Die Abbilderei

Mit klarem Vorsprung zum Jungen Wilden

Im November 2019 holte sich Wörgötter beim Finale der Jungen Wilden im Münchner Kesselhaus den Titel. Mehr als 2.500 Nachwuchsköche hatten sich beworben, am Ende gewann der Steirer mit 123 Punkten Vorsprung. Er überzeugte mit Kombinationen wie Cobia mit Dashi-Butter und Bier-Mikado oder Sellerie mit Rauchsalz, Schokolade und Buchweizen zum Dessert. Als Gewinn warteten eine Rolling-Pin-Coverstory und eine Stage bei Alex Atala im brasilianischen D.O.M.

Siegermenü von Florian Wörgötter bei den Jungen Wilden 2019: Cobia mit Dashi-Butter, Bier-Mikado und Andenkartoffeln.
Das Siegermenü von Florian Wörgötter bei den Jungen Wilden 2019: Cobia | Dashi Butter | Bier Mikado | Anden-Kartoffeln

Cover Rolling Pin Magazin Ausgabe 244

Bis dahin hatte Wörgötter vom Lehrbetrieb Magnolia über die Paznaunerstube bis zum Grazer Restaurant Schlossberg unterschiedliche Küchen und Posten kennengelernt. Sein Anspruch: möglichst viel lernen, überall mitreden können. Zum Zeitpunkt seines Sieges kochte er im Wiener Le Ciel unter Roland Huber, selbst Junger Wilder 2008. 2020 folgte die nächste Herausforderung: Als Chef-Pâtissier wechselte er zu Silvio Nickol ins Palais Coburg – und damit in eine Küche mit zwei Michelin-Sternen und fünf Hauben.

Die ungeplante Heimkehr

In den Familienbetrieb wollte Wörgötter eigentlich erst mit 30 zurückkehren. Die Pandemie beschleunigte diesen Plan. Als seinem Vater zwei langjährige Köchinnen für die Wiedereröffnung fehlten, half Florian zunächst beim Take-away-Geschäft. 2021 kehrte er schließlich aus Wien nach Ligist zurück. Vater und Sohn mussten die Küche zeitweise zu zweit stemmen, selbst ein Abwäscher fehlte.

Aus dem Einspringen entwickelte sich eine gemeinsame Idee: Neben der vertrauten Wirtshausküche sollte Florian seine Erfahrungen aus der Spitzengastronomie einbringen können. Im Sommer 2021 startete das Fine-Dining-Überraschungsmenü am Freitag. Die 30 Plätze waren von Beginn an ausverkauft. Bald ging es darum, das Angebot auszuweiten. Das nächste Ziel formulierte Wörgötter 2022 im Rolling-Pin-Interview: eine Haube nach Ligist holen. Gerne auch mehrere.

Florian Wörgötter und sein Vater Matthias in Kochkleidung vor ihrem Familiengasthaus in Ligist.
Foto: Die Abbilderei

Schnitzel neben Sternemenü

2025 holte Wörgötter den ersten Michelin-Stern nach Ligist, 2026 wurde er bestätigt. Auch im Gault&Millau legt er nach: Nach bisher drei Hauben und 16 Punkten wird sein Fine-Dining-Restaurant im neu präsentierten Österreich-Guide mit vier Hauben und 17 Punkten ausgezeichnet. Das Wirtshaus trägt zusätzlich einen Bib Gourmand.

Gemeinsam mit seiner Frau Julia, Gastgeberin und Sommelière, führt Florian das Haus in dritter Generation. Nach rund zwei Monaten Komplettumbau eröffneten die beiden im Oktober 2026 wieder – mit einem gemeinsamen Gastraum für Wirtshausküche und Fine Dining. Schnitzel und Sieben-Gänge-Menü werden nun nebeneinander serviert. „Nur Fine Dining macht uns keinen Spaß – und nur Wirtshaus auch nicht. Wir brauchen beides“, erklärt Wörgötter. Seine Küche verbindet österreichische Grundprodukte mit internationalen Aromen, das Gemüse kommt von einem Bauern drei Kilometer entfernt.

Florian und Julia Wörgötter, Küchenchef und Gastgeberin des Restaurants Wörgötter in Ligist.
Foto: Die Abbilderei

Auch außerhalb seines Restaurants setzt Wörgötter auf Produkte aus der Heimat. Bereits im August 2026 brachte er beim Festival „Chefs in Het Bos“ in Amsterdam Gemüse aus Ligist, Seeforelle aus Mariazell und Schafsjoghurt aus Weiz auf die Teller. Als einer von 34 Michelin-Sterneköchen im Programm vertrat er dort die steirische Kulinarik. Den Jungen Wilden bleibt er ebenfalls verbunden: Beim Finale 2026 in Graz saß er selbst in der Jury. Sieben Jahre nach seinem Sieg entscheidet Wörgötter mit, wer als nächster Junger Wilder durchstartet – und schreibt in Ligist seine eigene Geschichte weiter.

 

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Georg Hoffelner (@georgs.kleine.kulinarik)

 

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Alles über den Gewinner der Jungen Wilden 2026 erfahrt ihr in der Ausgabe #295 von Rolling Pin.

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