Inspiration Tour: Bali & Bogotá

Konstantin Jakabb ist Inhaber der renommierten Wiener Kommunikationsagentur „tochter“ und hat sich konkret auf die Positionierung von Tourismusregionen spezialisiert. Also ist er ständig unterwegs, um Neues zu entdecken, Visionen zu entwickeln und einfach gut zu essen. Für den Rolling Pin schreibt er dabei stets mit.
September 10, 2026 | Text: Konstantin Jakabb | Fotos: Konstantin Jakabb, Shutterstock, Unsplash

Zwei Reiseziele, viele Klischees. Die man ebenso ausblenden muss wie diverse Kommentare, wenn man von diesen Destinationen erzählt: „Bogotá, das ist so gefährlich“, „Bali? Fährst du auf ein Yoga-Retreat?“ Natürlich hat man Bilder im Kopf, aber durch das kulinarische Reisen verändert sich sowieso der Bezug zu jedem Ort. Und diesmal erst recht. Von Wien aus sind es jeweils rund 16 Stunden Reisezeit.

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Bali ist bekannt für Paradiesbuchten und instagrammable Ausblicke, aber auch für starke Traditionen, Rituale und Feierlichkeiten.

Zwei Reiseziele, viele Klischees. Die man ebenso ausblenden muss wie diverse Kommentare, wenn man von diesen Destinationen erzählt: „Bogotá, das ist so gefährlich“, „Bali? Fährst du auf ein Yoga-Retreat?“ Natürlich hat man Bilder im Kopf, aber durch das kulinarische Reisen verändert sich sowieso der Bezug zu jedem Ort. Und diesmal erst recht. Von Wien aus sind es jeweils rund 16 Stunden Reisezeit.

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Bali ist bekannt für Paradiesbuchten und instagrammable Ausblicke, aber auch für starke Traditionen, Rituale und Feierlichkeiten.

In die gegensätzliche Richtung, versteht sich. Bali ist eine tropische Insel mit Reisfeldern und Vulkanen, Bogotá eine Metropole auf 2.640 Metern mitten in den Anden. Bekannte und weniger bekannte exotische Früchte, die dort einfach anders – besser – schmecken, gibt es an beiden Orten. Sonst ist das Einzige, das sie verbindet, der Anfangsbuchstabe. Und wie sehr beide kulinarische Gönnung im Fokus haben.

Rahajeng rauh ring Bali

Angekommen im Bilderbuch-Resort Komaneka. Dschungelblick inklusive. In anderen Teilen der Insel ist es schon laut, aber hier klingt es wie im Jurassic Park. Der Abend startet im modernen balinesischen Family-Style-Bistro Nusantara. Der Tisch biegt sich geradezu – er ist voll mit geschmortem Fleisch, frischem Thunfisch und Muscheln. Alles hat Schärfe, Frische, mir unbekannte Gewürze und somit eine geschmackliche Tiefe, die fast süchtig macht. Man merkt gar nicht, wie einem durch und durch heiß wird. Eine dringend notwendige Erfrischung des Gaumens gibt es um die Ecke in der Night Rooster Bar.

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In Asien sind Bars fixer Bestandteil der Abendgestaltung und oft sogar innovativer als Restaurants. Ich bleibe aber eher klassisch mit Kiss of Death – Passionsfrucht, Mezcal und Chili halten auch an langen Reisetagen wach. Ausschlafen gibt es bei diesen Trips nie, daher geht es gleich in der Früh in den Dschungel und in wenigen Stunden über Reisfelder in den dichten Urwald. Wir probieren am Weg – wie im Schlaraffenland – Kaffee und Beeren, Kurkuma und Kokosnüsse, Kaktusfrucht und Pilze.

Und Larven, die wir gegrillt genießen. Diese proteinreiche Nahrung ist ein Highlight für viele, die hier im Urwald arbeiten. Dinner gibt es im ­Locavore NXT, einem ultra-designten Glaskomplex inmitten eines Reisfeldes, der eine Mischung aus Forschungszentrum und kulinarischem Ökosystem darstellt (mir kommt hier gleich das NOMA in Kopenhagen in den Sinn). Das Fine Dining ist eine Kulinarikreise durch Bali: von Früchten über Fisch bis zu Lobster. Allein für diesen Ort würde ich noch einmal nach Bali kommen.

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Die Acht-Millionen-Megacity Bogotá mag von oben ruhig wirken, ist in Wahrheit allerdings eine kraftvolle Stadt.

Nach dem Besuch bin ich mir sicher: Das war das Highlight, die Insel kann mich nicht nochmals überraschen. Ich liege falsch. Denn dann verbringe ich 24 Stunden im Hotel Desa Potato Head. Ein Nachhaltigkeitshotel mit Nachtclub, Restaurants und Werkstätten. Hier wird ökologische Verantwortung, aber eben auch Genuss und Fun, neu definiert. Das CO2-neutrale Hotel – eher ein Creative Village – beherbergt die 22 Meter lange Sunset Bar mit Panoramablick auf den Indischen Ozean, das KAUM mit balinesischen Klassikern, das Dome mit internationalem Bistrofood und Naturwein und den Beachclub mit Burger & Co.

Mind-blowing ist das Tanaman: „Food as Medicine“ mit den frischesten Kräutern, Heilpflanzen, Gemüse und Früchten. Ein hoch unterhaltsames, nicht verkrampftes vegetarisches Fine Dining in einem Mix aus tropischem Wohnzimmer und Apotheke. Und zum Absacker unbedingt in die „Root to Flower“-Akademi Bar.  Tipp: Die Waste-Tour zeigt, wie Müll zu Möbeln, Flaschen, Mode und Kunst umgewandelt wird. Kurz: das inspirierendste Hotel, das ich je besucht habe und das mir Hoffnung gibt. Do good & feel good.

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Das Dome Restaurant im Hotel Potato Head zeigt eine andere Welt als
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ein Lunch mitten im Dschungel von Ubud
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oder supertraditionelles balinesisches Babi Guling (Spanferkel) im Komaneka Resort
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Absolut magische Orte wie das Luxushotel Capella Ubud, wo man in Zelten schläft und in diesem Pool schwimmt
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und der Blick aus dem Locavore NXT auf Reisfelder.

Bienvenido a Bogotá

Szenenwechsel. Softlanding in Bogotá. Sofort fällt auf, wie freundlich, aufmerksam und lustig die Menschen hier sind. Kulinarisches Motto: „Tragos de buena fortuna“ – Drinks, die Glück bringen. Mein erster Weg führt ins Selma, ein All-Day-Bistro mit purer kolumbianischer Ausgelassenheit – vom Servicepersonal bis hin zu den Sharing-Tellern. Rib Eye, Fisch, Huhn: All das kommt auf den Tisch, ohne es zu bestellen. Und die Margaritas gleich dazu. Weiter zum Mercado La Perseverancia, einer Markthalle mit den unterschiedlichsten Küchen Bogotás. Hier sollte man im Tolú (bekannt aus der Netflix-­Serie „Street Food: Latin America“) unbedingt die Hühner-Kartoffel-Suppe Ajiaco bestellen.

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Tipp: Big Ass Ants gibt es im Straßenverkauf. Nussig und crunchy. Um Bogotá wirklich zu verstehen, steigen wir aber auf 3.000 Meter, wo man nach dem Aufstieg am Morgen bereit ist für das beste Restaurant Lateinamerikas – laut The World’s 50 Best. Im El Chato nutzt Álvaro Clavijo, als Vorreiter Kolumbien kulinarisch sichtbar zu machen, das gesamte Land als Ideen- und Bezugsquelle.

Rambutan, Kurkuma, Kochbanane, Hühnerherzen und Krabben finden sich in dem Tasting-Menü. Im La Favorita wiederum kocht ein baskisch-asturischer Michelin-Koch Gerichte seiner Kindheit. Hier gibt es Anchovis auf Tomatenbrot, Jamón und Spanferkel. Das Humo Negro schließlich setzt auf japanische Technik und Produkte aus dem Amazonas, den Anden und der kolumbianischen Pazifikküste. Chef Jaime Torregrosa hat in Europas besten Restaurants gearbeitet. Sein schwarzes Lokal mit Graffiti und Neon steht im Kontrast zu den hier meist lebensfroh-bunten Restaurants. In Stimmung kommt man beim Pairing mit Sake und Bier.

Und zum Schluss zur Schokoladenverkostung: Bei Cacao Disidente wird versucht, das Terroir und die Herkunft ähnlich präzise abzubilden wie bei Wein oder Specialty Coffee. Fazit: Bogotá und Bali sind keine alltäglichen Kulinarik-Destinationen, sie erweitern den Horizont und die Sichtweise auf deren Kultur und Identität. It was a lot of fun.

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